“Gierig” auf den Halbmarathon: Lauf-geht’s-Walker setzen sich neue Ziele


Von Heidrun Gehrke

Die Walking-Gruppe beim ZVW-Gesundheitsprogramm „Lauf geht’s“ hat sich im besten Wortsinn zu einem Selbstläufer entwickelt: Die neun Teilnehmenden hatten ursprünglich nur die 10-Kilometer-Distanz im Visier, jetzt wagen sie sich top motiviert und frohgemut an den vollen Halbmarathon. Und ihr Trainer Stefan Schuller ist zuversichtlich: „Die sind ganz gierig, die schaffen das.“

Erst stand die Walking-Gruppe auf der Kippe, jetzt ist sie ein Selbstläufer

Wenn’s läuft, dann läuft’s halt: Stefan Schuller trainiert und begleitet schon zum dritten Mal eine Laufgruppe beim Gesundheitsprogramm „Lauf geht’s“ zu einem Halbmarathon, aber diese Dynamik habe er noch nicht erlebt. „Die motivieren sich so toll aus sich selbst heraus“, berichtet er. Von Anfang an habe es gestimmt untereinander, inzwischen sind sie als Gruppe richtig zusammengewachsen. Und das, obwohl es kurz vor dem Start von „Lauf geht’s“ Ende März auf der Kippe stand, ob sich überhaupt genügend Walker finden für eine eigene Gruppe, weil alle joggen wollten.

Nach einigen Wochen hätten allerdings einige gemerkt, dass die schnelle Gangart für sie nicht passt, einen Gang heruntergeschaltet und bei den Walkern eine Heimat gefunden. Seitdem läuft’s wie am Schnürchen: Seit Wochen treffen sie sich, über das wöchentliche Laufpensum auf ihrer Hausstrecke hinaus, auch am Wochenende – einfach so, um gemeinsam eine Trainingseinheit zu absolvieren. „Und fürs Dehnen nach dem Lauf haben wir eine Hula-Hoop-Runde eingeführt“, ergänzt Silvie Schnorr. Jeder bringe seinen Reifen mit, dann wird gekreist, gelockert, geplaudert.

Für Samstag haben sie sich zu ihrem ersten Drei-Stunden-Lauf verabredet. Wie kommt’s zu den unerwarteten Motivationsschüben? Alle zeigen lachend auf Stefan Schuller: „Er trainiert uns einfach zu gut und wir sind eine tolle Truppe“, berichtet Silvie Schnorr. „Ich habe durch ihn Wege kennengelernt, die ich vorher nicht kannte, obwohl ich seit 1980 hier lebe“, meint Bärbel Mindermann – sie ist eine der Überwechslerinnen. Beim Joggen sei sie pulsmäßig ans Limit gekommen, beim Walken reiche die Puste gut. Und vom Tempo her stelle sie kaum Unterschiede fest. „Ich walke fast schneller, als ich gejoggt bin.“ Silvies Schilderungen klingen ähnlich: „Es dauert ein bisschen, aber nach einer halben Stunde merkt man, dass man automatisch schneller wird.“ Auch Klaus walkt lieber, als dass er „Vollgas“ gibt. „Ich habe 20 Jahre nichts mehr gemacht und dann von 0 auf 100 losgelegt mit Joggen, da habe ich mich wohl übernommen.“ Beim Walking habe er in sein persönliches Lauftempo reingefunden.

Allerbeste Voraussetzungen also, auch für höhergesteckte Ziele – und ihr erstes haben sie schon. „Wir wollen die volle Marathondistanz von 21 Kilometern laufen“, berichtet Stefan Schuller. Anfangs seien zehn Kilometer das Ziel gewesen. Alles Weitere habe sich spontan ergeben. Bemerkenswert sei das, meint Schuller: „Weil alle hier keine Jungspunde mehr sind, sondern die gesetztere Altersgruppe Ü 50 vertreten ist, und die wollen richtig.“

Rein rechnerisch kämen die langsamsten Läufer in drei Stunden und 26 Minuten ans Ziel – er habe die Zeiten des Laufs in Rechberghausen hochgerechnet auf einen Halbmarathon. Seine Prognose und Botschaft, die er beim Training vermittelt: „Mädels, Jungs, das schafft ihr.“

Wenn’s heiß ist: Tempo an die Temperaturen anpassen

Nur noch knapp einen Monat bis zum großen Finale in Schwäbisch Gmünd. Wie geht es den Teilnehmenden – und wie läuft das Training an den heißen Tagen der vergangenen Wochen? Kein Problem hat Martina Schnaithmann aus Korb. „Ich mag’s, wenn es warm ist.“ Sie habe ihr Tempo eben etwas „an die Dämpfigkeit“ angepasst. Wie schaut sie dem nahenden Finale entgegen? „Sehr locker“, meint sie. „Es kann sein, dass ich ihn gar nicht laufe, das entscheide ich nach Tagesform“, erklärt sie. Für sie habe der Halbmarathon nicht den Ausschlag gegeben. „Ich wollte ins Joggen reinkommen, das Ziel habe ich erreicht.“

Maria Klenk aus Berglen wiederum hat das Ziel „Halbmarathon“ fest im Visier – nicht zum ersten Mal. „2020 hab’ ich schon mitgemacht, dieses Mal wieder, um Spaß zu haben und weil man so nette Leute kennenlernt.“ Die Temperaturen können sie, sagt sie, nicht aufhalten. „Ich verlagere den Lauf in die Abendstunden. Und dann gibt es wie bei jedem Wetter gute und weniger gute Tage.“

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